Kreationismusdebatte im Europarat

Der Europarat befasste sich am Donnerstag, den 4.10. erneut mit dem umstrittenen Dokument “Die Gefahren des Kreationismus in der Bildung”, das bereits im Juni zur Abstimmung kommen sollte. Aufgrund eines Antrags konservativer Abgeordneter war das Papier damals kurzfristig von der Tagesordnung genommen worden.

Die Vorlage des französischen EU-Politiker Guy Lengagne will die “Wissenschaft gegen den Kreationismus zu verteidigen” und “die Lehre der Evolution als eine fundamentale wissenschaftliche Lehre in der Schule zu unterstützen”. Der Kreationismus sei nach den USA nun auch in Europa auf dem Vormarsch, Gläubige wollten die Schöpfungslehre in den Schulen verankern. Daher gelte es zu reagieren, “bevor es zu spät ist”, heisst es in dem Dokument wörtlich. Und weiter: “Wenn wir nicht wachsam sind, sind Werte, die den Kern des Europarates bilden, in Gefahr, von kreationistischen Fundamentalisten bedroht zu werden.”

Die Europäische Evangelische Allianz rief unterdessen Christen dazu auf, sich an die Abgeordneten ihrer Heimatländer zu wenden, die im Europarat vertreten sind. “Wir rufen die Abgeordneten dazu auf, das Dokument abzulehnen”, so die Allianz. Nach eigenen Angaben bekennen sich immerhin 1,3 Millionen Menschen in Deutschland zu Organisationen oder Einrichtungen, die zur Evangelischen Allianz gehören oder ihr nahestehen.

Nachtrag: Wie dpa meldet, hat sich der Europarat auf eine Entschließung geeinigt: Er warnt darin vor der Verbreitung «kreationistischer Irrlehren» in den Schulen Europas: “Der Kampf gegen die Evolutionstheorie und ihre Befürworter entstammen dem religiösen Extremismus und stehen in enger Verbindung mit rechtsextremen politischen Bewegungen”. Die 47 Mitgliedsländer werden aufgefordert, “mit aller Entschiedenheit gegen den Kreationismus im Schulunterricht vorzugehen und die Wissenschaft “verständlicher und attraktiver” zu gestalten”.

2 Antworten auf “Kreationismusdebatte im Europarat”

  1. Werner Hahn sagt:

    Schwachpunkte der Evolutionstheorie und Kreationismus: Bildung tut not

    Europarats-Parlamentarier sehen eine ernste Gefahr darin, dass durch die Unterrichtung kreationistischer Lehren in der Schule in den Köpfen der Kinder eine gefährliche Vermischung von Glauben und Religion auf der einen Seite und Wissenschaft auf der anderen Seite erfolge. Die hessische Kultusministerin Wolff sieht in der Debatte über die biblische Schöpfungslehre die Chance für “eine neue Gemeinsamkeit von Naturwissenschaft und Religion.” Für die Biologielehrer wird es in der Tat immer schwerer, die Schüler überhaupt noch vom Wahrheitsgehalt der Evolution überzeugen zu können. Moderne Kreationisten stochern nach den Lücken der Evolutionstheorie, um einen “Intelligenten Designer” an die Stelle von Mutation und Selektion zu setzen. Das Wandlungsproblem wird durch eine Selektionstheorie mit dem Postulat einer alleinigen Außenselektion im Sinne Darwins natürlich nicht gelöst. Die jeweils erste Entstehung der neuen morphologischen, physiologischen und verhaltensmäßigen Ausstattung einer Spezies entwickelt sich evolutionär unabhängig von der möglicherweise sekundär einwirkenden „äußeren“ Selektion über interne Konstruktions/Bifurkationsmechanismen. Die Erwartung eines „inneren Prinzips“, einer „inneren Ursache“, welche Ordnung und Richtungssinn in der Evolution bestimmt, wurde von namhaften Forschern vorgebracht. Rupert Riedl sprach hier von der „Grundfrage der Evolutionstheorie“. Die bekannten Hauptmechanismen biologischer Evolution – Selektion (Darwinismus), Mutation (Neo-Darwinismus) und Populationsdynamik reichen nicht aus, um die erweiterungsbedürftige Evolutionslehre wirklich zu verstehen. Emergenz, das heißt das Auftauchen neuer Systeme beziehungsweise neuer Systemeigenschaften in der Evolution, kann als selbstorganisierende Prozessdynamik beschrieben werden: Wie im Prozess des evolutionären Geschehens konstruktiv Neues entsteht, vermag eine den Formenwandel erklärende, umfassende evolutionär orientierte Symmetrietheorie zu beschreiben. Das Forschungsprogramm Evolutionäre Symmetrietheorie (kurz: EST) belegt den neuen Aspekt eines engen Zusammenhangs von Symmetrie bzw. Symmetriebrechung und der Dynamik struktur- und musterbildender selbstorganisierender (anorganischer und organischer) Systeme. Es wurde in der (vergriffenen) Anthologie „Evolutionäre Symmetrietheorie: Selbstorganisation und dynamische Systeme“ (Stuttgart 1996; Hrsg. Werner Hahn und Peter Weibel) aus der Sicht verschiedener Disziplinen erörtert: Symmetriebrechung als Prozess kann, verknüpft mit der Symmetrie-Neubildung, als Motor der Evolution verstanden werden. 1997 schrieb Spektrum der Wissenschaft: „Möglicherweise wird dieses Buch in der Zukunft von hohem Wert sein als Leitfaden zur Entdeckung neuer allgemeiner Charaktere der Naturkräfte.“ Zu EST siehe mehr auch in www.art-and-science.de (PDF EST).
    Das “Darwinjahr 2009″ sollte EST-Ideen aufgreifen und diskutieren!

  2. abdussabr sagt:

    Einfach nur lächlerich… Die Wissenschaft muss von den Irrlehren des Kreationismus geschützt werden, ich kann nur lachen: Wenn der Kreationismus so irrsinnig ist, wieso können denn Tausende Evolutionistische Wissenschaftler diesen widerlegen… Außerdem gibt es doch in Europa so was wie Meinungsfreiheit oder?! Wollen Sie jetzt den Atlas der Schöpfung noch verbrennen? Außerdem was hat denn der Kreationismus mit Extremismus zu tun oder gar mit Rechtsextremismus, wieso so viele Lügen, was soll das… Wieso widerlegt man nicht einfach die Theorie von H. Yahya anstatt ihn schlecht darzustellen, ist das wissenschaftlich?!!
    Da läuft wirklich einiges schief, am besten man liest eine Buch der Evolutionisten und den Atlas der Schöpfung und macht sich selbst die Meinung…

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